175 Jahre Bernhard-Dreymann-Orgel in Sankt Petrus in Ketten Astheim
Restaurierung der Orgel zum Jubiläumsjahr
Astheim. Spenden und öffentliche Zuschüsse ermöglichen die Restaurierung im Jubiläumsjahr 2008.
Mit der Niederlassung des aus Beckum (Westfalen) stammenden Orgelbauers Bernhard Dreymann (1788-1857) im Jahre 1821 setzte eine neue Hochblüte der Orgelbaukunst in Mainz ein. Er und sein Sohn Hermann (1824-1862), die eine fast konkurrenzlose Position inne hatten, lieferten nicht nur Orgeln in evangelische und katholische Kirchen im neu gegründeten Großherzogtum Hessen-Darmstadt, sondern auch in das benachbarte Herzogtum Nassau, in die Pfalz sowie nach Belgien (Brüssel, Antwerpen) und Nordfrankreich. Die Dreymanns zählen heutzutage zu den bedeutendsten deutschen Orgelbauern des frühen 19. Jahrhunderts. Sämtliche erhaltenen Orgeln stehen unter Denkmalschutz.
1833 erwirbt die politische Gemeinde Astheim eine neue Orgel
Die 1833 erbaute Orgel für die katholische Kirche St. Petrus in Ketten in Astheim zählt zu den frühen Werken von Bernhard Dreymann. Hinsichtlich der Disposition (Registerzusammenstellung) und des Klanges zeigt das Instrument noch deutliche Bezüge zum barocken Orgelbau des 18. Jahrhunderts. Das klassizistische Gehäuse ist typisch für den Baustil des späten 18. und des frühen 19. Jahrhunderts.
Hoforganist Christian Heinrich Rinck – Enkelschüler Joh. Seb. Bachs stellt Dreymann-Orgel ein hervorragendes Zeugnis aus
Die fertig gestellte Orgel wurde am 19. Oktober 1833 von dem bedeutenden Darmstädter Hoforganisten und Komponisten Christian Heinrich Rinck (1770-1846) – einem Enkelschüler Johann Sebastian Bachs – geprüft, der ihr ein hervorragendes Zeugnis ausstellte.
Kriegsschäden und –materialablieferungen schaden der Orgel während der Weltkriege
Bis 1917 dürfte das Instrument weitgehend unverändert geblieben sein. In dem genannten Jahr wurden im damaligen Deutschen Reich bei den meisten Orgeln die an der Vorderseite sichtbaren Pfeifen (Prospekt) für die Kriegsrüstung beschlagnahmt. Auch die Astheimer Orgel blieb von dieser Zwangsabgabe nicht verschont. Glücklichweise entstand vor dem Ausbau der Pfeifen eine Fotografie, die noch erhalten ist. Sie zeigt die ursprüngliche Anordnung der Prospektpfeifen. Diese Pfeifen wurden höchst wahrscheinlich von dem damals in Gau-Algesheim ansässigen Orgelbauer Michael Körfer ausgebaut. Wahrscheinlich aus finanziellen Gründen konnte Körfer diesen Verlust erst 1936 durch den Einbau von neuen Prospektpfeifen aus Zink ersetzen.
Rettung der Orgel vor dem Abbruch – zweifelhafte Verbesserungsmaßnahmen in den siebziger Jahren
1974 erfolgte der nächste Eingriff. Die damals durchgeführten Umbauten hatten keineswegs das Ziel, die Orgel wieder ihren frühromantischen Charakter zurückzugeben. Vielmehr wurden aus heutiger Sicht zweifelhafte „Verbesserungsmaßnahmen“ durchgeführt, da zu dieser Zeit Orgeln des 19. Jahrhunderts als nicht erhaltungswürdig eingestuft wurden. Diese Ansicht hat sich seitdem grundlegend geändert.
Restaurierung in Dreymann`schen Urzustand im Jubiläumsjahr 2008
Ziel der anstehenden denkmalpflegerischen Restaurierung wird es vielmehr sein, den von Dreymann geschaffenen Zustand von 1833 so weit wie möglich wieder herzustellen. Dies bedeutet, die stilwidrigen Eingriffe von 1974 zu beseitigen, den Prospekt nach der erhaltenen vor 1917 entstandenen Fotografie zu rekonstruieren und das Klangbild wieder an den Dreymann’schen Urzustand anzunähern.
Dr. Achim Seip, Orgelsachverständiger im Bistum Mainz

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