Sankt Ulrich,Geinsheim

Um das Jahr 800 ist die Besiedlung unseres Raumes durch die Franken zum Abschluss gekommen. Ob bereits zu jener Zeit eine Pfarrei Geinsheim bestand ist nicht gewiss. Alte Aufzeichnungen vermuten, dass Erzbischof Bardo von Mainz (1031-51) die bis 1844 noch vorhandene St. Ulrichskirche erbaut haben soll.

Die älteste heute bekannte Erwähnung findet eine Pfarrkirche in Geinsheim (ecclesia parochialis in villa Gensim) im Jahre1122 in einer Urkunde des Erzbischofs Adelbert von Mainz. Aus dem Jahre 1305 stammt der Beleg einer St. Ulrichskapelle (capella St. Ulrici). Hier begegnet uns zum ersten Male der Name des Kirchenpatrons, des hl. Ulrich von Augsburg.

Nach der Einführung des Protestantismus in Geinsheim durch die Herren von Isenburg, besorgten die Patres des St. Jakobsklosters in Mainz, die in Geinsheim einen Klosterhof unterhielten, bei den wenigen Katholiken die Seelsorge.

1844 wurde die alte Kirche wegen Baufälligkeit abgerissen. Bis zur Erbauung einer neuen Kirche im Jahre 1859 fand der katholische Gottesdienst in der evangelischen Kirche statt. Erst im Jahr 1894 wurde Geinsheim wieder zur Pfarrkuratie erhoben und erhielt einen eigenen Pfarrer.

Nach dem zweiten Weltkrieg wuchs die Pfarrei durch den Zuzug vieler Heimatvertriebener stark an und die alte St. Ulrichskapelle wurde zu klein.

Am 19. November 1966 nahm der Mainzer Bischof Dr. Hermann Volk die feierliche Konsekration der neuen Kirche vor. Mit 210 Sitzplätzen bietet die Kirche genügend Raum. Der Turm von dreißig Meter Höhe schaut weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus ins Land. Das Geläut umfasst seit 1974 die Dreifaltigkeitsglocke, die Angelusglocke, die Ulrichs-Glocke und die Michaelisglocke. Sie erklingen in den Tönen e, g, a und c.

Von der künstlerischen Ausgestaltung der Kirche sind die beiden großen Fenster im Altarraum und das Fenster über dem Portal erwähnenswert. Die Entwürfe stammen von Heinz Hindorf, der zu den renommiertesten Glasfensterkünstlern der Nachkriegszeit zählt. Die Darstellungen haben Bezug zu dem Geschehen im Gotteshaus, nämlich zum Abendmahl in der Feier der hl. Messe und zum Verkünden des Wortes Gottes. Das Portalfenster stellt das „himmlische Jerusalem“ dar und soll den Kirchenbesucher, wenn er wieder die Kirche verlässt, hinweisen auf den letzten Sinn und das Ziel unseres Lebens.

Ein Kleinod unserer Kirche ist eine Muttergottesfigur aus dem 15. Jahrhundert. Außerdem ziert die Altarwand eine Barockfigur, die den Kirchenpatron, den hl. Ulrich, darstellt.

 

Gunwald, Ulrich: Die katholische Kirchengemeinde in Geinsheim, in: Gemeinde Geinsheim (Hrsg.): Festschrift zur 1200 Jahrfeier der Gemeinde Geinsheim, Groß-Gerau, 1970, S. 65-69.